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Klima und Energie
Praxisbeispiel

Solaroffensive: Gemeinde Epalinges macht vorwärts

Nicolas Siniciali
Luftaufnahme von einem modernen rechteckigen Schulgebäude mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach

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4 Minuten Lesezeit

Klima und Energie

Praxisbeispiel

Die Gemeinde Epalinges (VD) ist Vorreiterin in Sachen Solarenergie. Sie verfolgt ehrgeizige Ziele und setzt auf eine Kombination aus Fördermassnahmen, die weit über reine Subventionen hinausgehen. Ein Blick in die Praxis zeigt, wie der «Solar-Boost» gelingt.

Seit 2016 hat die Gemeinde Epalinges (VD) eine Solarstrategie, um erneuerbaren und umweltfreundlichen Strom zu fördern. Das Ziel: Bis 2030 will die Agglomerationsgemeinde der Stadt Lausanne 100 Prozent des Solarpotenzials der verfügbaren Dachflächen ausnutzen.

Mithilfe verschiedener Fördermassnahmen wächst der Anteil der Solarenergie am gesamten Energieverbrauch in Epalinges Jahr für Jahr. Heute werden bereits 12 Prozent über Photovoltaik-Anlagen abgedeckt. Eine Quote, die sich zeigen lässt – gerade im gesamtschweizerischen Vergleich (7 Prozent). Besonders angestiegen ist der Anteil an Solarenergie seit 2017. Wie kam es dazu?

Das Erfolgsrezept

Die Gemeinde mit rund 9800 Einwohner:innen fördert die Solarenergie mit mehreren Instrumenten:

  1. Unterstützung durch einen kommunalen Energiefonds, der derzeit 700’000 Franken pro Jahr umfasst.

  2. Photovoltaik-Begleitungsangebot für Gebäudeeigentümer:innen

  3. Sensibilisierung für die Option von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV)

  4. Partizipative Finanzierung von Solaranlagen auf kommunalen Gebäuden

Im Folgenden werden die Fördermassnahmen, die über reine Subventionen hinausgehen (2-4), genauer betrachtet.

Die Begleitung

Bei der Photovoltaik-Begleitung erhalten Interessierte eine kostenlose Beratung durch ein von der Gemeinde betrautes Ingenieurbüro. Ein wichtiger Aspekt dieses Angebots ist das Zusammenbringen von Gebäudeeigentümer:innen mit ähnlichen Interessen. Dadurch entstehen Gemeinschaftsprojekte mit grösserem Auftragsvolumen und entsprechend tieferen Preisen.

Eine schnelle Steigerung des Photovoltaik-Anteils ist mit den geeigneten Massnahmen durchaus möglich.

Seit 2018 gab es in Epalinges vier Begleitungszyklen, derzeit läuft der fünfte. Dabei sind 163 Photovoltaik-Anlagen entstanden. Bereits im ersten Zyklus in den Jahren 2017/2018 konnte die Zahl der Neuinstallationen im Vergleich zu den Vorjahren fast verdreifacht werden.

Das Beispiel zeigt, dass eine schnelle Steigerung des Photovoltaik-Anteils mit den geeigneten Massnahmen durchaus möglich ist und dass eine Kombination von Massnahmen deutlich effizienter ist, als wenn die Gemeinde «nur» auf direkte Subventionen gesetzt hätte. Ein weiterer Vorteil: Durch das Begleitungsangebot erreichte die Gemeinde viele Einwohner:innen, was wiederum zu einem wichtigen Weiterempfehlungseffekt führte.

Photovoltaik-Potenzial in Zahlen

Bis 2022 waren in Epalinges fast 30 Prozent der gemeindeeigenen Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet (10 Bauten). Bei den kantonalen Gebäuden und Immobilien von Unternehmen auf Gemeindegebiet lag das ausgeschöpfte Potenzial mit 12 Gebäuden ebenfalls bei etwas über 30 Prozent. Bei den Einfamilienhäusern waren bereits 36 Prozent des Solarpotenzials erreicht (500 Gebäude). Bei Mehrfamilienhäusern und Stockwerkeigentümer:innen besteht hingegen noch das grösste Potenzial: Da waren 2022 erst knapp 10 Prozent des Potenzials ausgeschöpft (25 Gebäude).

Die Sensibilisierung

Nachdem sich die rechtlichen Rahmenbedingungen zu den Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV) per 1. Januar 2018 geändert hatten, war es Epalinges ein Anliegen, die Gebäude- und Stockwerkeigentümer:innen umfassend darüber zu informieren und sie bei solchen Zusammenschlüssen zu unterstützen. Auch dieses Instrument hat deutliche Effekte gezeigt: Von ursprünglich 65 interessierten Gebäudevertreter:innen haben sich am Ende 40 für einen Zusammenschluss entschieden. Nach weiteren Abklärungen und Machbarkeitsstudien konnten bis heute vier Anlagen im Rahmen von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch installiert werden.

Flachdach mit erhöhten Oblichtern, überbaut mit Solarpanels

Die Photovoltaik-Anlage der Schule Bois-Murat wurde partizipativ finanziert. Sie entsteht in drei Etappen auf drei Dächern. Bild: Epalinges

Die partizipative Finanzierung

Um mehr Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Gebäuden finanzieren zu können, hat sich Epalinges dazu entschieden, eine Aktiengesellschaft (AG) zu gründen. Dadurch haben Interessierte die Möglichkeit, in Solaranlagen zu investieren. Konkret bedeutet das, dass Investor:innen der AG zwischen 1000 und 10‘000 Franken für eine Laufzeit von zwei bis zehn Jahren zur Verfügung stellen. Dafür erhalten sie von der AG einen Zins von 1 bis 1,8 Prozent, was deutlich attraktiver ist als andere Investitionen. Beim ersten Aufruf im Jahr 2021 kamen damit innerhalb von 19 Tagen 416'000 Franken zusammen. Im Jahr 2023 innerhalb von vier Tagen nochmals 200‘000 Franken. Die Gewinne aus den installierten Solaranlagen ermöglichen es der AG, jährlich einen Teil des geliehenen Geldes zurückzuerstatten. Über 80‘000 Franken flossen bereits wieder an die Investor:innen zurück.

Das Fazit

Die Gemeinde setzt auf Finanzierungshilfen, aber gleichzeitig auch auf Sensibilisierung, Beratung, den Zusammenschluss von Interessengruppen und die Unterstützung bei der Planung. Diese Kombination aus mehreren Instrumenten, die weit über direkte Subventionen hinausgehen, haben Epalinges’ «Solar-Boost» möglich gemacht.

Titelbild: Créacom


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