Gemeinde
Klima und Energie
Praxisbeispiel

So beschleunigt die Gemeinde Morges die Energiewende

Marc Bungener
Bootsanlegestelle in Morges im Kanton Waadt

·

5 Minuten Lesezeit

Klima und Energie

Praxisbeispiel

Morges im Kanton Waadt arbeitet mit Hochdruck daran, die eigenen Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und die Bevölkerung auf den Netto-Null-Pfad mitzunehmen. Ein besonderes Augenmerk legt die Stadt auf energetische Sanierungen. Hier ist sie auf die Kooperation von Gebäudeeigentümer:innen angewiesen – und findet dafür ihre ganz eigenen Lösungen.

Die Auswirkungen des Klimawandels, des Verlusts der Biodiversität und der Verschmutzung von Luft und Wasser sind heute für alle sichtbar. Und sie bedeuten grosse Herausforderungen für eine Stadt wie Morges (VD). Am Ufer des Genfersees erstreckt sich die Stadt mit ihren 17'500 Einwohner:innen über ein stark besiedeltes Gebiet von vier Quadratkilometern. Nun geht es darum, den ökologischen Fussabdruck des Gemeindegebiets zu reduzieren und sich gleichzeitig besser gegen die Veränderungen durch den Klimawandel zu wappnen.

Reduktionsziele der Gemeinde

Welche Ziele setzt sich Morges, um dieser Dringlichkeit zu begegnen? Zunächst verfolgt die Gemeinde die nationalen Klimaziele. Nach der Veröffentlichung der Energiestrategie des Bundes im Jahr 2017 hat sich die Gemeinde zu folgenden Reduktionen bis 2035 verpflichtet:

  • Endenergieverbrauch: um 43 Prozent

  • Stromverbrauch: um 13 Prozent

  • CO2-Emissionen: um 41 Prozent

Diese Ziele wurden auf Basis des Verbrauchs pro Einwohner im Jahr 2017 und für den auf dem Gemeindegebiet befindlichen Gebäudebestand berechnet. Geplant ist, die Ziele demnächst zu aktualisieren und auf die ehrgeizige Klimastrategie des Kantons Waadt abzustimmen.

Entwicklungsgrundsätze schaffen einen Rahmen

Um die Ziele zu erreichen, legt Morges jährliche Entwicklungsgrundsätze für das Gemeindegebiet fest, die über einen Zeitraum von 18 Jahren einzuhalten sind – von 2017 bis 2035:

  1. Entwicklung einer Reihe von Fernwärmenetzen

  2. Jährliche Erhöhung des Biogasanteils im Gasnetz um 0,6 Prozent

  3. Installation von Photovoltaik-Modulen auf einer Fläche von 3000 Quadratmeter pro Jahr

  4. Jährliche energetische Sanierung von 16’000 Quadratmetern auf einen Minergie-ähnlichen Standard

  5. Jährlicher Austausch von 50 Öl- und Gasheizkesseln zugunsten anderer erneuerbarer Lösungen

Diese Grundsätze geben dem kommunalen Handeln eine Struktur und bilden den Rahmen für das Monitoring. Um sie umzusetzen, muss aber auch die Bevölkerung einbezogen werden: Neben der Umsetzung von Fernwärmenetzen, der Bereitstellung von kommunalen Subventionen oder der energetischen Sanierung der städtischen Immobilien bleibt der Dialog mit der Bevölkerung der wichtigste Hebel für die Gemeinde.

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Kann Morges die jährlichen Ziele einhalten?

Bisher ist die Stadt in der Entwicklung von Fernwärmenetzen (1), der Einspeisung von Biogas ins Netz (2) und der Installation von Photovoltaik-Modulen (3) planmässig unterwegs. Bei der energetischen Sanierung (4) und dem Wechsel von fossilen Heizsystemen auf erneuerbare Lösungen (5) gehen die Zielvorstellung und die Realität hingegen etwas auseinander.

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Die energetische Sanierung des Gebäudebestands bleibt der komplexeste strategische Bereich: Denn ohne einen strengen rechtlichen Rahmen können die Ziele nur erreicht werden, wenn die Bevölkerung respektive die Immobilieneigentümer:innen mitziehen. Also wenn es gelingt, sie einzubeziehen, zu überzeugen und zu motivieren.

Durch Peers ist eine Art der Sensibilisierung möglich, die Vertrauen und Identifikation zwischen Personen und Organisationen schafft, die ähnliche Erfahrungen teilen.

Wie gut läuft die Sensibilisierung?

Das Projekt «Morges Rénove» (zu Deutsch: «Morges renoviert») ist ein Sensibilisierungs- und Begleitprogramm, das Eigentümer:innen von grossen Mietgebäuden einbezieht. Es soll ihnen die notwendige Koordination für Sanierungsmassnahmen erleichtern. Die Partner von «Morges Rénove» (Romande Energie, Signa-Terre und Cité lumière productions) haben jahrelange Erfahrung im Bereich der Immobiliensanierung. Sie verstehen die Herausforderungen der Sanierung für Grosseigentümer:innen wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen und grosse Verwaltungsunternehmen und sind dadurch erfahrene Ansprechpartner:innen für die betroffenen Eigentümer:innen. So wird Sensibilisierung durch Peers möglich – eine Art der Sensibilisierung, die Vertrauen und Identifikation zwischen Personen und Organisationen schafft, die ähnliche Erfahrungen teilen. Professionelle Immobilienverwalter:innen nehmen die Beratung von Personen, die bereits vergleichbare energetische Sanierungen durchgeführt haben, eher an.

Kreative Lösung, um Sanierungen zu fördern

Bei städtischen Grundstücken, auf denen Dritte im Baurecht Gebäude errichtet haben, hat Morges ein zusätzliches Potenzial entdeckt: Im Rahmen der Baurechtsverträge hat die Gemeinde einen Hebel, um die Gebäudeeigentümer:innen zur Sanierung zu motivieren. Und zwar bei Verhandlungen über den Baurechtszins für ein sogenanntes selbständiges und dauerndes Recht (SDR). Bei einer Neuverhandlung eines SDR wird der zu zahlende Zins in der Regel auf die Marktpreise abgestimmt. Nun kann die Stadt in den Verhandlungen anbieten, den Zins nur begrenzt zu erhöhen oder gar auf eine Erhöhung zu verzichten, wenn die betroffene Immobilie im Gegenzug energetisch saniert wird. Diese Form der Unterstützung hat den Vorteil, dass sie für die Eigentümer:innen eine reale Subvention darstellt, ohne dass dafür liquide Mittel der Gemeinde nötig sind. Dank dieses Vorgehens ist in den kommenden Jahren die Sanierung eines Gebäudes mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern geplant.

Wie geht es weiter?

Seit Juni 2023 hat Morges einen Projektleiter für die Energiewende. Dadurch kann die Gemeinde ihre Sensibilisierungs- und Koordinationsarbeit rund um die Sanierung des Gebäudebestands intensivieren. Gleichzeitig wird Morges das in den letzten Jahren erarbeitete Wissen nutzen, um eine Klimastrategie zu entwickeln, die mit den kantonalen und nationalen Zielen im Einklang steht. Diese Strategie, die für und in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung entsteht, soll sicherstellen, dass die politischen Ziele auf das Netto-Null-Ziel abgestimmt sind.

Titelbild: Foto Fitti (CC BY-SA 3.0)


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