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Kreislaufwirtschaft
Fachartikel

Im Kreislauf denken und Ressourcen schonen

Antonia Stalder
Ein Mann bereitet einen Stuhl wieder neu auf.

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6 Minuten Lesezeit

Kreislaufwirtschaft

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Kreislauffähige Produkte sind langlebig, brauchen weniger Ressourcen und schonen das Portemonnaie. Aber was heisst kreislauffähig überhaupt? Und welche Chancen hat die Kreislaufwirtschaft für die öffentliche Beschaffung? 

Die Art, wie wir heute Produkte herstellen und nutzen, ist grösstenteils nicht nachhaltig. Wir übernutzen die endlichen Ressourcen, stossen zu viel klimaschädliche Emissionen aus und hinterlassen nach Gebrauchsende Abfall, der von der Erde gar nicht oder nicht rasch genug abgebaut werden kann. Die Kreislaufwirtschaft ist ein Ansatz, wie Produktion und Konsum innerhalb der planetaren Grenzen stattfinden können, also ohne die Erde überzustrapazieren – eben nachhaltig. 

Länger nutzen spart Geld Kreislauffähige Produkte sind langlebig. Sie sind darauf ausgelegt, im Kreislauf zu bleiben. Die Kreislaufwirtschaft (KLW) setzt auf ein neues Design von Produkten, das deren Weiter- oder Umnutzung, das Auffrischen, Reparieren und Anpassen an veränderte Nutzungsbedürfnisse so einfach macht, dass es sich im Vergleich zur Neuproduktion auch ökonomisch lohnt. Dabei geht es um den technischen Kreislauf. Produkte, die hingegen im biologischen Kreis bleiben, sind giftfrei und lassen sich darum ohne Rückstände kompostieren oder vergären.  

Biologischer und technischer Kreislauf  

Materialien, die zum Beispiel durch Kompostierung in die Natur zurückgeführt werden können, sind Teil des biologischen Kreislaufs. Verbrauchsgüter wie Waschmittel, Kosmetika, Schuh sohlen oder Lebensmittel können bei oder nach Gebrauch in die Umwelt gelangen. Daher ist es wichtig, dass sie der Umwelt nicht schaden. Sie sollten biologisch abbaubar, für das natürliche Ökosystem unbedenklich und gesundheitsverträglich sein.  

Im technischen Kreislauf sind Materialien zu finden, die nicht zurück in die Umwelt fliessen, beispielsweise Metalle, Kunststoffe oder synthetische Chemikalien. Für den technischen Kreislauf konzipiert, können Gebrauchsgüter wie Waschmaschinen oder Werkzeuge, lange Zeit zirkulieren – durch Teilen, Wiederverwenden, Reparieren, Wiederaufbereiten oder zu guter Letzt Recycling. 

Verglichen mit linearen Produkten bringen kreislauffähige Produkte entscheidende Vorteile mit sich:  

  • Produkteigenschaften: Die Produkte sind beispielsweise gesünder (da giftfrei), langlebiger (per Design, zudem reparierbar) oder aufbereitbar und modular, können sich also veränderten Bedürfnissen anpassen.  

  • Wirtschaftlich überzeugend: In der heutigen, vorwiegend linearen Wirtschaft gelangen Produkte oftmals zu früh in die Entsorgung. Sie könnten noch länger genutzt werden – entweder direkt oder dann nach einer Auffrischung. Entsorgen wir Produkte frühzeitig, vernichten wir den Restwert, der noch im Produkt gesteckt hätte. Ein Stuhl beispielsweise wäre meist noch viel länger funktionstüchtig. Und wenn nicht, dann würde er zumindest nach einer Reparatur noch viele Monate bis Jahre gute Dienste leisten. Weil kreislauffähige Produkte länger genutzt werden und deren Komponenten wiederverwendbar sind, bleiben Restwerte erhalten. Das kommt einer Einsparung gleich.  

  • Ökologisch überzeugend: Weil die Produkte als Ganzes sowie deren Komponenten oder Materialien länger genutzt werden, sinken die mit der Produktion verbundenen CO₂-Emissionen über die Lebensdauer hinweg betrachtet. Und durch den Erhalt von Restwerten schont ein kreislauffähiges Angebot wertvolle, knappe Ressourcen. 

Aus diesen Gründen lohnt es sich, auf kreislauffähige Produkte zu setzen. Wer die Ressourceneffizienz in der Beschaffung steigern und so indirekt die CO₂-Emissionen senken will, fordert von den Anbieter:innen Kreislauffähigkeit.  

Nachhaltig muss nicht teurer sein  

Hören Beschaffungsverantwortliche das Stichwort «nachhaltige Beschaffung», sehen sie oft die gesetzten Effizienz- und Sparziele in Gefahr. Denn sie haben die Erfahrung gemacht, dass nachhaltige Beschaffung mit Mehrkosten einhergehen kann. Hier liegt der grosse Vorteil der kreislauffähigen Beschaffung: Sie trägt dazu bei, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, schafft dies potenziell aber zu tieferen oder gleich hohen Gesamtkosten (Total Cost of Ownership (TCO)) wie die lineare Beschaffung. 

Die öffentliche Beschaffung hat mit ihrem Marktvolumen einen enormen Hebel. Von den über 40 Milliarden Franken, welche jährlich durch die öffentliche Hand ausgegeben werden, entfällt der grösste Teil (80 Prozent) auf die kantonale und kommunale Ebene (Kantone, Städte und Gemeinden). Aber kann eine einzelne Gemeinde wirklich etwas im Bereich der kreislauffähigen Beschaffung bewirken? Ja, denn die Nachfragemacht liegt nicht im finanziellen Volumen. Jede Nachfrage nach kreislauffähigen Produkten stimuliert letztlich die Anbieter:innen. So entwickelt sich der Markt weiter. Eine gute Möglichkeit, um die Marktentwicklung zu fördern, sind Pilotprojekte, wie zum Beispiel das Projekt des Amts für Umwelt und Energie (AUE) des Kantons Basel-Stadt, das in Zusammenarbeit mit Prozirkula alte Möbel wiederaufbereitet und an die neuen Bedürfnisse angepasst hat (siehe Artikel «Büromöbel: Aus alt mach neu»).  

Ein weiterer Ansatz ist die Entwicklung eines Sets von Ausschreibungskriterien. Dieses fragt die Kreislaufeigenschaften der nachgefragten Güter ab. Gerade für Produktkategorien, die in grossen Mengen oder immer wieder eingekauft werden, lohnt sich der Aufwand, solche Standard-Kriterien zu erarbeiten. 

Erste Schritte  

Wer noch nicht soweit ist, ein Set von Ausschreibungskriterien für die kreislauffähige Beschaffung zu formulieren, kann auch niederschwelliger anfangen: 

  • Inventar: Ein Inventar aller Produkte, die bereits vorhanden sind, schafft eine gute Ausgangslage. Ein solches Inventar beantwortet die Fragen «Was haben wir? In welchem Zustand befinden sich die Produkte? Können sie eventuell weiter- oder umgenutzt werden?». 

  • Bedürfnisanalyse: Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Bedarf. Vor jeder Beschaffung sollten die Verantwortlichen die Fragen «Was brauchen wir im Kern?» und «Braucht es dafür ein neues Produkt?» beantworten. Braucht man beispielsweise wirklich einen Tisch oder ist das Bedürfnis lediglich, sich irgendwo zusammenzusetzen und arbeiten zu können? Kann dieses Bedürfnis vielleicht auch anders als mit einer Neubeschaffung befriedigt werden? Manchmal sind es die vermeintlich einfachen Fragen, die die Beschaffenden und den Markt zur Entwicklung von neuen Ideen und Lösungen anregen. Lösungen, die im Zeitalter von knappen Ressourcen und begrenzten Budgets dringend nötig sind.  

Ein kreislauffähiges Angebot ist idealerweise eine Win-win-win-Situation: Anbietende und Nachfragende profitieren von tieferen oder maximal gleich hohen Lebenszykluskosten wie in der linearen Beschaffung. Und sie leisten damit einen Beitrag zur Erreichung der eigenen Nachhaltigkeitsziele, während die Umwelt von ressourceneffizienteren Produkten profitiert. 

Der Artikel ist im «Thema Umwelt» 2/2022 erschienen.
Titelbild: Girsberger


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