Gemeinde
Beschaffung
Praxisbeispiel

Beschaffungsnetzwerk verhilft zu mehr Nachhaltigkeit

Denise Lachat
Laptop und Bildschirm mit Zeitanzeige als Bildschirmschoner.

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3 Minuten Lesezeit

Beschaffung

Praxisbeispiel

Die Einkaufsgemeinschaft «Partenariat des achats informatiques romands (PAIR)» setzt in der Westschweiz auf den Zusammenschluss öffentlicher Akteure und anerkannte Labels. Das Ziel: die nachhaltige Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnologie. 

Die IKT-Einkaufsgemeinschaft der Westschweiz, das «Partenariat des achats informatiques romands (PAIR)», ist mit seinen 57 Mitgliedern ein wichtiger öffentlicher Akteur für die Beschaffung von Hardware im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Die letzte Ausschreibung im Jahr 2021, an der sich 45 Mitglieder beteiligten, umfasste ein Volumen von rund 30 Millionen Franken. Insgesamt wurden 19’700 Desktop-Computer, 24’200 ultraportable Computer, 26’800 Bildschirme und 2’200 Drucker beschafft. 

Regelmässige Bedarfsabklärung 

Die Einkaufsgemeinschaft identifiziert und bündelt den gemeinsamen Bedarf an Informations- und Kommunikationstechnologie seiner Mitglieder, um ihnen den Erwerb von Produkten und Dienstleistungen zu den vorteilhaftesten Bedingungen zu ermöglichen. Daher führt PAIR alle zwei bis vier Jahre bei seinen Mitgliedern eine Bedarfsabklärung durch. Diese umfasst verschiedene Hardwareprodukte, darunter PCs, Laptops, Bildschirme und Drucker. PCs haben oftmals die gleichen Lebenszyklen. Deshalb stimmen die Anforderungen, welche die PAIR-Mitglieder an die Geräte stellen, in der Regel überein. Dies ermöglicht die gebündelte Beschaffung. 

Die Mitglieder, die an der Ausschreibung teilnehmen, verpflichten sich jeweils schriftlich zum Kauf einer zuvor bestellten Anzahl von Geräten. PAIR wählt die Anbietenden aus und verhandelt einen Preis. Die Mitglieder kaufen schliesslich direkt bei den Anbietenden die Geräte und profitieren von vorteilhaften Konditionen. PAIR fungiert also nicht als Einkaufszentrale, sondern ist ein Beschaffungsnetzwerk und Ansprechpartner für Anbietende. Der Verein bereitet die Ausschreibung inklusive Pflichtenheft vor, das auf simap.ch, dem Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, veröffentlicht wird.  

Forderung nach Umweltlabels 

PAIR verfolgte schon lange vor der Beschaffungsrechtsrevision ein klares Ziel: Dem Thema Nachhaltigkeit soll bei der Vergabe eines Auftrages ein hoher Stellenwert eingeräumt werden und somit die öffentliche Beschaffung mit gutem Beispiel vorangehen.  

Von PAIR ausgeschriebene Computer müssen zwingend mit dem Label «EPEAT Gold» beziehungsweise Drucker mit dem Label «Blauer Engel» oder «Nordic Ecolabel» zertifiziert sein. Die Nichteinhaltung führt zu einem Ausschluss aus dem Wettbewerb. Auf diese Art stellt PAIR sicher, dass die Anbietenden Umweltstandards einhalten.   

Die von PAIR gestellten Anforderungen zeigen Wirkung: Laut Marc Vachoux, aktuell Präsident von PAIR, nehmen die Anbietenden ihre ökologische und soziale Verantwortung heute ernst. «Nachhaltigkeitsaspekte sind für Lieferantinnen und Lieferanten unumgänglich geworden.» So haben die meisten Unternehmen mittlerweile eine eigene Nachhaltigkeitsabteilung. Computer sind effizienter geworden und verbrauchen heute weitaus weniger Strom. Zudem denken die Hersteller:innen das Recycling der IKT-Hardware bereits bei der Produktentwicklung mit. 

Partnerschaft mit Electronics Watch

Seit 2017 arbeitet PAIR ausserdem mit der internationalen Nichtregierungsorganisation (NGO) Electronics Watch zusammen. Die Organisation überwacht weltweit die gesellschaftliche Verantwortung von Elektronikprodukte-Hersteller:innen und deren Subunternehmen. So stellt PAIR sicher, dass die Menschenrechte und grundlegende Arbeitsrechte an den Produktionsstandorten eingehalten werden. 

Die Ursprünge des Netzwerks

Bereits in den 90er-Jahren hatten die Kantone Waadt und Genf die Idee einer Einkaufsgemeinschaft. Ihr Ziel: Den Bedarf von Hardware im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie sammeln, koordiniert ausschreiben und das Einkaufsvolumen erhöhen, um so die individuellen Kosten zu senken. Im Jahr 2000 wurde PAIR, das IKT-Einkaufskonsortium der Romandie, schliesslich als gemeinnütziger Verein gegründet.

Die Organisation setzt sich derzeit aus Akteur:innen aus allen Westschweizer Kantonen zusammen:  

  • Öffentliche Verwaltungen  

  • Städte- oder Gemeindeverbände  

  • Öffentlich-rechtliche Einrichtungen, wie Spitäler und Universitäten  

  • Öffentliche Wasser- und Energieversorger sowie öffentliche Verkehrs- und Telekommunikationsunternehmen  

  • Private Einrichtungen, die zu mehr als 50 Prozent aus öffentlichen Mitteln subventioniert werden 

Networking für die Nachhaltigkeit 

Neben den gebündelten Ausschreibungen bietet PAIR seinen Mitgliedern auch die Möglichkeit, an der Generalversammlung und den Seminaren teilzunehmen. So entsteht ein Netzwerk aus Beschaffungsverantwortlichen und -stellen, welche die öffentlichen Interessen fördern und die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in der gesamten Westschweiz etablieren und verankern möchten. 

Vertiefung

Hintergrundinformationen zu PAIR, Details zur gemeinschaftlichen Beschaffung von IKT-Hardware und weitere Informationen zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung:

Titelbild: Markus Spiske / Unsplash


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